Dienstag, 17. Juli 2012

[Filmvorstellung] Somewhere

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Originaltitel: Somewhere
Produktionsjahr: 2010
Laufzeit: 98 Minuten
Altersfreigabe:
ab 12 Jahren

Stab und Besetzung:
Sofia Coppola (Regie & Drehbuch)
Fred Roos, Francis Ford Coppola, Roman Coppola, Paul Rassam, G. Mac Brown (Produktion)
Stephen Dorff, Elle Fanning, Chris Pontius, Laura Chiatti, Lala Sloatman

Inhalt:
Johnny Marco (Stephen Dorff) ist Schauspieler, aber irgendwie scheint er mit seinem Leben nicht mehr ganz zufrieden. Er versucht sich die Zeit mit seinem Sportwagen Marke Ferrari, Frauen und Alkohol die Zeit zu vertreiben. Bis irgendwann seine Tochter Cleo (Elle Fanning) wieder auftaucht und bei ihm wohnen soll, da ihre Mutter Zeit für sich braucht. Erst da merkt er, wie er, wie sie ihm gefehlt hat.


Meine Meinung:
Sofia Coppola ist mit ihrem Film Lost in Translation als Regisseurin bekannt geworden und erhielt sogar einen Oscar für das beste Drehbuch.
Somewhere sieht man sofort an, dass er von ebendieser Regisseurin gedreht und geschrieben worden ist. Der Film ist ruhig, hat sein Augenmerk ganz auf die Charaktere gerichtet und beschwört im Zuschauer ein ganz eigenes Gefühl hervor.
Die erste Szene wirkt etwas seltsam, spiegelt aber gleich das Leben von Johnny wieder. Er fährt in seinem Sportwagen über irgendeine nicht befestigte Strecke, wird langsamer, dann wieder schneller. Auch in seinem Leben scheint es so zu zugehen. Er ist Schauspieler und noch dazu ein ziemlich bekannter. Stephen Dorff und Sofia Coppola sorgen aber nicht für ein Bild, das vielleicht einige erwarten würden. Johnny spricht nicht viel, hält sich mit Alkohol über Wasser und scheint generell eher weniger Spaß an seinem Job zu haben.
All das erfährt man ziemlich genau in den ersten Minuten des Films und erhält gleichzeitig ein sehr dichtes Bild in seinen Charakter.
Und sobald Cleo auftaucht, merkt man auch gleich eine Veränderung bei ihm. Auch wenn er teilweise immer noch in seine alten Muster verfällt, hat man doch das Gefühl, dass sie ihn irgendwie lebensfroher werden lässt. Erst als sie auftaucht, passiert mehr im Film, auch wenn immer noch nicht sehr viel gesprochen wird.
Auch Cleo, von Elle Fanning gespielt, ist ein sehr dichter Charakter und man bekommt gleich ein schönes Bild von ihr. Außerdem wächst sie einem auch direkt ans Herz und man möchte am liebsten ihr ganzes Leben mit ihr durchleben, weil sie so süß wirkt. Was ich nur schade finde, ist, dass sie angeblich 11 Jahre alt sein soll. Allerdings sieht sie einfach überhaupt nicht so aus. Sie wirkt auf mich immer eher wie 13 Jahre. Aber das ist wohl das allgemeine Problem bei Filmproduktionen. Schauspieler sind ja bekanntlich immer älter als ihre Figuren, die sie spielen.
Neben den dichten Figuren sind auch die Bilder, die Sofia Coppola zeigt, sehr gelungen. Sie unterstreichen oft nur die Wesenszüge der Charaktere und die Landschaft und die Umgebung, in der sie sich aufhalten, scheint irgendwie mit ihnen verbunden zu sein. Ich weiß auch nicht, man kann sie sich nur schwer irgendwo anders vorstellen, wenn ich ehrlich bin. Dazu passt auch die Musik wie die bekannte Faust aufs Auge und unterstreicht die teilweise lakonische Stimmung des Films nur noch mehr.

Fazit:
Vielleicht ist der Film von der Idee nicht gerade der originellste, aber er zeigt einfach so viel wahres und echtes, dass einem immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken fährt. Ein Film mit Charakteren, die zeigen, wie tief manchmal die Trauer und Einsamkeit sein kann, auch wenn man sich mitten unter Menschen befindet.
Von mir erhält der Film 5 von 5 Sterne.

Donnerstag, 12. Juli 2012

[Buchvorstellung] Henning Mankell - Mittsommermord

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Originaltitel: Steget efter
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Seitenzahl:
603 Seiten
ISBN:
3-522-04962-2

Inhalt:
Sind die drei Jugendlichen, die zusammen Mittsommer verbracht haben, wirklich in Europa oder hat die besorgte Mutter recht? Wallander und seine Kollegen sind sich nicht sicher, noch dazu taucht Svedberg nicht mehr auf.
Einer Eingebung folgend brechen Wallander und Martinsson in die Wohnung des Kollegen ein und findet ihn erschossen im Wohnzimmer. Bald tauchen auch die drei Jugendlichen auf. Tot sitzen sie verkleidet in einem Naturreservat. Wallander vermutet einen Zusammenhang, aber der Täter scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein.

»Normale Leute haben Alpträume, wenn sie schlafen«, sagte Nyberg. »Wir, die wir gezwungen sind, in so etwas hier auf dem Kopf zu stehen, erleben unsere Alpträume im wachen Zustand.«

Meine Meinung:
Dies ist der siebte Teil der Wallanderreihe von Henning Mankell und ist genau gelungen, wie all die anderen Teile, die ich bis jetzt gelesen habe.
Mankells Figuren wachsen einem sofort ans Herz. Der etwas mürrische Wallander, der mittlerweile stark mit seiner Gesundheit zu kämpfen hat, aber sich seine Diabetes nicht eingestehen möchte und auch seinen Kollegen nichts davon erzählt. Wieso weiß er selbst nicht. Ich als Leser habe teilweise mit ihm gelitten und man konnte sich auch sonst sehr gut in seine Gedanken hineinversetzen. Besonders auch die Hilflosigkeit, die er bei der Aufklärung des Falles immer wieder empfindet, macht sich auch in einem selbst breit. Gleichzeitig möchte man ihm am liebsten zurufen, was man erfährt, wenn man kleine Stellen aus der Sicht des Mörders liest und mehr über seine Pläne und Vorhaben erfährt.
Martinsson und Ann-Britt Höglund merkt man an, dass sie seine beiden engsten Kollegen sind und durch kleine persönliche Dinge, die eingeworfen werden, erhält man auch von den beiden ein sehr schönes Bild.
Aber auch alle anderen Charakter, die in diesem Buch vorkommen, sind von Mankell wieder sehr gut gezeichnet. Ich konnte sie alle vor mir sehen, auch wenn sie nur eine sehr kleine Rolle in den Ermittlungen bekommen haben. Sie waren trotzdem präsent und genau das ist mir bei Büchern sehr wichtig. 

Ich habe Angst, dachte er. An das Böse habe ich nie geglaubt. Es gibt keinen bösen Menschen, niemand wird mit einer genetisch bedingten Brutalität geboren. Dagegen gibt es böse Umstände. Das Böse gibt es nicht. Aber hier ahne ich etwas, das sich in einem verfinsterten Gehirn abspielt.

Was mir ebenfalls gefallen hat, ist, dass auch bei diesem Buch auf unrealistische Szenerien eher verzichtet wurde. Man erhält, denke ich, einen halbwegs guten und authentischen Einblick in die Polizeiarbeit. So ist es zwischenzeitlich so, dass sie immer wieder auf die gleichen Gedanken und Fragen in der Ermittlung eingehen, weil sie einfach nichts weiter haben. Der Mörder hinterlässt nur wenig Spuren und so muss jeder noch so kleinen Spur nachgegangen werden. Genau so stelle ich es mir irgendwie auch im wahren Polizeileben vor. Zwischendurch geht es einfach nicht weiter, man findet keine neuen Hinweise und hat wohl auch das Gefühl, den Fall nie aufklären zu können, was leider oft genug auch dann am Ende das Ergebnis ist.
Hier allerdings wird der Fall aufgeklärt und bringt einen Mörder hervor, der irgendwie unverständlich handelt. Das ist vielleicht nur mein einziger, kleiner Kritikpunkt. Man versteht die Intention des Mörders nicht, aber man hat gleichzeitig das Gefühl, dass er selbst nicht genau weiß, wieso er all das getan hat. Er ist eher ruhig und unauffällig und passt gar nicht in das kaltblütig Bild, das man sich zu Beginn gemacht hat.
Was mir ebenfalls immer sehr an Mankells Büchern gefällt und auch in diesem nicht fehlen durfte, ist die schlichte Schreibweise und die Kritik an der Politik und der Gesellschaft. Immer wieder wird Wallander, der bereits fast fünfzig Jahre alt ist, bewusst, wie sich die Welt in den letzten Jahren geändert hat und auch diesmal kommt er von der Frage nicht los, was er als Polizist eigentlich noch tun kann.

Eine neue große Teilung des Volkes ging im Land vor sich. In Menschen, die gebraucht wurden, und Menschen, die unnötig waren. In dieser Wirklichkeit Polizist zu sein würde immer schwierigere Wahlsituationen mit sich bringen. Sie würden weiterhin eine Oberfläche sauber halten, obwohl die Fäulnis darunter weiterbestand, in der tragenden Konstruktion der Gesellschaft.

Fazit:
Insgesamt hat mir Mittsommermord wieder sehr gut gefallen und ich kann es wirklich nur empfehlen. Man versteht es außerdem auch, wenn man vorher noch kein anderes Buch über Wallander gelesen hat. Ein spannender Krimi, der mich bis zur letzten Seite gefesselt hat.
Von mir erhält das Buch 4,5 von 5 Sterne, aufgrund der einen kleinen Sache mit dem Mörder, dessen Handeln man nicht voll und ganz nachvollziehen kann.

Sonntag, 8. Juli 2012

Ich mach mir meinen eigenen Sommer

Sommer, der - Jahreszeit zwischen Herbst und Winter, als wärmste bekannt.

Mittlerweile fragt man sich, ob man die Duden und Wörterbücher in unseren Breitengraden nicht neu drucken lassen sollte. Mit einer neuen Definition für den Sommer. Allerdings würde die dann nicht mehr so kurz ausfallen.
Im Juni warteten noch einmal eisige Temperaturen auf uns, wo so manche Forstbeule unter uns die Heizung noch einmal voll aufdrehte.
Im Juli warten nun nie enden wollende Regenschauer auf und, die dafür sorgen, dass in Russland Menschen ertrinken. An den Tagen, an denen der Regen mal eine Pause macht, ist es dann so schwül, dass die Leute auf der Straße reihenweise in Ohnmacht fallen. 


Aber ganz ehrlich: Dann mache ich halt meinen eigenen Sommer. 
Wenn es draußen regnet, kann ich trotzdem drinnen in T-Shirt und kurzer Hose sitzen, Eis essen und baden. Zugegeben letzteres nur, wenn man eine Badewanne zu Verfügung hat, wobei selbst das Planschbecken des kleinen Geschwisterkinds kann im eigenen Zimmer Wunder bewirken. 
Dazu gehört dann nur noch die richtige Musik und die Hoffnung, dass es im nächsten Monat vielleicht besser wird und man wenigstens den Sommerurlaub nicht im Regen verbringen muss. Aber davon möchte ich jetzt gar nicht reden. Das Eis wartet und schmilzt doch in der warmen Wohnung ziemlich schnell, so schnell wie in der Sonne. 

Hier noch eine kleine, aber irgendwie feine Musikauswahl: