Mittwoch, 22. August 2012

[Buchvorstellung] Jo Nesbø - Rotkehlchen

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Originaltitel: Rødstrupe
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Seitenzahl: 459 Seiten
ISBN: 3-548-25885-9

Inhalt:
Der dritte Fall für Harry Hole
Harry Hole wird versetzt - zum Staatsschutz, was ihm nicht sonderlich passt. Aber als er bei der Arbeit von einer Spezialwaffe hört, die von Südafrika nach Norwegen geschmuggelt worden ist, wird er hellhörig und macht sich auf die Suche.
Seine Nachforschungen bringen ihn auf eine Gruppe Männer, die im zweiten Weltkrieg als junge Männer auf Seiten der Nationalsozialisten kämpften, und Harry wird bei Gesprächen mit diesen klar, dass die Waffe für einen Anschlag gebraucht wird. Die Frage bleibt nur, wen es treffen soll und wer genau dahinter steckt.

Meine Meinung:
Harry Hole ist ein Charakter ganz für sich. Man könnte vielleicht glauben, ihn würde man in jedem x-beliebigen Krimi oder Thriller finden, aber dem ist nicht so. Er war - beziehungsweise ist manchmal immer noch - Alkoholiker und nur durch seine Kollegen Ellen kann er sich halbwegs über Wasser halten. Dazu plagen ihn immer wieder Depressionen und er macht irgendwie sein eigenes Ding, schert sich nicht viel um die Vorgaben seines Chefs. Oberflächlich gesehen ist er ein typischer Charakter für skandinavische Thriller, das gebe ich zu, aber er hat trotzdem etwas ganz besonderes an sich.
Die Art wie Nesbø Harry beschreibt geht sehr tief in seine innersten Gedanken und man spürt als Leser immer wieder, welche kleinen Dinge ihn aus der Bahn werfen können. Und dann bemerkt man wiederum, wie andere winzige Dinge ihn so aufbauen und begeistern können, dass man immer wieder von seiner guten Laune angesteckt werden kann.
Diese Schwankungen in seiner Stimmung haben mir persönlich sehr gut gefallen und irgendwie kam mir dabei auch keine übertrieben oder erzwungen vor. Sie schienen natürlich, einfach mit ihm verbunden zu sein und gehörten zu seinem Charakterbild.

Seine Kollegin Ellen war dagegen der reinste Sonnenschein. Immer wenn sie auftauchte, war auch Harry irgendwie glücklich, beziehungsweise konnte sie ihn aus dem tiefsten loch befreien, ohne dass man als Leser meinte, gleich würden die beiden im Bett landen und sich wahrscheinlich noch in einander verlieben. Das war ebenfalls erfrischend anders, da ich bereits mehrere Bücher gelesen oder Filme gesehen habe, wo genau das passiert, dass Kollegen am Ende sich verlieben.
Leider darf man in Rotkehlchen nur die Hälfte des Buches mit Ellen erleben, was ich ziemlich schade fand und der Grund dafür war ebenfalls ziemlich schrecklich, sollte aber an dieser Stelle nicht verraten werden.

Zu der Geschichte an sich:
Auch diese hat mir sehr zugesagt. Sie war von Anfang bis Ende sehr spannend und man hat immer wieder einige Abschnitte aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart des Attentäters lesen dürfen, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Wer am Ende der Mann war, konnte ich bis zum Ende hin nicht sagen, hatte aber immer wieder Vermutungen, die sich nie bestätigt haben und am Ende war ich überrascht, wie es sich aufgelöst hat.
Die Ausschnitte aus der Vergangenheit des Täters haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Sie machten auf mich einen ziemlich authentischen Eindruck, was bei Themen um den Zweiten Weltkrieg besonders wichtig ist. Außerdem erfuhr man ebenfalls einige Sichtweisen der Norweger, die in dem Krieg kämpften, was ich vorher so noch nicht wusste. In Deutschland behandelt man zu diesem Thema bekanntlich eher die deutsche Sicht der Dinge.

Eine Sache, die ich dazu noch sehr hervorheben möchte, ist, dass man in diesem Buch einmal sieht, wie sich die obersten Leute in der Polizeiarbeit verhalten könnten. Man weiß einfach nicht, was da immer vor sich geht und in diesem Buch hat man einmal mehr gesehen, wie viel man unter den Teppich kehren kann, wenn man nur hoch genug steht und die Fäden in der Hand hält. Gruselig und beunruhigend, aber sicherlich nicht immer ganz abwegig, wenn man darüber nachdenkt.

Fazit:
Mir hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut gefallen und ich werde sicherlich noch weitere Bücher von Nesbø lesen, besonders die aus der Harry Hole-Reihe, da mir Harry als Charakter sehr gut gefallen hat.
Von mir erhält das Buch 5 von 5 Sternen.

Montag, 13. August 2012

[Buchvorstellung] Carlos Ruiz Zafón - Das Spiel des Engels


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Originaltitel: El Juego del Ángel
Verlag: Fischer Verlag
Seitenzahl: 711 Seiten
ISBN: 978-3-596-186440

Inhalt:
David Marín ist Autor von Schauergeschichten, schreibt dabei unter falschem Namen und wird von seinem Verlag eigentlich übers Ohr gehauen. Erst als er Andreas Corellis Angebot annimmt, erhält er das Geld, um sich alle seine Träume zu erfüllen. Dafür muss er nur einen etwas seltsamen Auftrag erfüllen, der ihm noch unheimlicher wird, als er über Corelli einige Informationen einholt. Bald schon ist nicht nur Martíns große Liebe, sondern auch er selbst in Lebensgefahr.

Nichts ist gerecht. Das Höchste, was man anstreben kann, ist, dass es logisch ist. Die Gerechtigkeit ist eine seltene Krankheit in einer ansonsten kerngesunden Welt.

Meine Meinung:
Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen, allerdings konnte es mich doch nicht vollständig überzeugen.
Was ich besonders mochte, waren die Personen. David Martín, aus dessen Sicht man die ganze Sache erfährt, war mit all seinen Eigenheiten dargestellt. Man konnte sehr gut in sein Leben finden und seine Handlungen waren vollständig nachvollziehbar, bis zu einem gewissen Grad. Außerdem hatte man immer einen etwas beeinflussten Blick auf die anderen Figuren, was allerdings dem Buch und dem Geschehen nicht geschadet hat. Denn nur so konnte man die verschiedenen Vorfälle nicht sofort einordnen und ist mit Martín vollkommen im Dunkeln getappt.
Ebenfalls hat mir der Polizist Grandes sehr sehr gut gefallen. Er war zwar nicht immer der sympathischste Charakter, aber bei ihm hatte ich ebenfalls das Gefühl, dass ich ihn vollständig greifen konnte und erfassen konnte. Nicht so, dass ich wusste, was er als nächstes tut, aber so, dass man ihn irgendwie einschätzen konnte.

Was mit leider nicht so zugesagt hat, war der Mittelteil des Buches. Hier wurde vieles erklärt, es ging kaum voran. Martín war am Schreiben und irgendwie auch nicht. Und wenn man sich dann im Gegensatz dazu das Ende des Buches ansieht, in dem alle aufgeklärt wird, wirkt dieser viel zu kurz und sehr hastig herunter geschrieben. Jedenfalls in meinen Augen. Manchmal hatte ich da nämlich das Gefühl, dass der Autor plötzlich nur noch zwanzig Seiten Platz hatte und so die Handlungen alle gleichzeitig und blitzschnell vorüberziehen lassen musste. Aus diesem Grund waren nach dem Lesen auch noch ein paar Fragen bei mir offen, die ich gerne noch geklärt gehabt hätte. Sie waren leider auch nicht solcher Art, dass ich sie hätte durch eigenes Überlegen lösen können. Dafür hätte es irgendwie schon die Mithilfe des Autors gebraucht.

Dagegen hat mir wieder der Stil des Autors sehr gut gefallen. Zafón schreibt sehr poetisch teilweise und hat irgendwie immer ganz eigene Beschreibungen für bestimmte Ereignisse oder Naturphänomene. Sie sind aber auch nie vollkommen aus der Luft gegriffen, sondern sehr passend und erfrischend neu.

Im Allgemeinen zweifelt man umso mehr an seinem Talent, je mehr man davon hat.

Fazit:
Insgesamt hat mir das Buch trotzdem ziemlich gut gefallen. Besonders weil immer wieder etwas spannendes passiert und man so trotzdem weiter lesen möchte, auch wenn im Mittelteil zeitweise nicht so viel geschieht.
Trotzdem bekommt das Buch nur 3,5 von 5 Sternen. Es hat mich nämlich auf längere Sicht nicht vollständig überzeugen können. 

Die kursiven, in purpur geschriebenen Stellen sind Zitate aus dem hier vorgestellten Buch von Carlos Ruiz Zafón.